GmbH oder Einzelunternehmen? Steuervergleich 2026
Die Frage, die 80 % der Selbstständigen irgendwann stellen
Irgendwann kommt der Punkt: Der Gewinn steigt, der Steuerbescheid tut weh, und ein Bekannter erzählt, seine GmbH zahle „nur 30 % Steuern". Klingt gut. Aber stimmt das?
Kurze Antwort: Ja, auf GmbH-Ebene sind es tatsächlich rund 30 %. Aber sobald du das Geld aus der GmbH rausnimmst, wird es teurer. Und „GmbH gründen" heißt auch: doppelte Buchführung, Jahresabschluss, IHK-Beitrag, Notarkosten, Geschäftsführervertrag.
Rechnen wir das mal durch.
Was zahlt ein Einzelunternehmer?
Als Einzelunternehmer zahlst du Einkommensteuer auf deinen Gewinn. Der Tarif ist progressiv: Die ersten 12.348 EUR sind steuerfrei, danach steigt der Satz auf bis zu 42 % (ab 69.879 EUR) bzw. 45 % (ab 277.826 EUR). Dazu kommt der Solidaritätszuschlag — allerdings erst ab einer gewissen Grenze.
Gewerbesteuer fällt auch an, aber: Als Einzelunternehmer kannst du das 4-fache des Steuermessbetrags auf deine Einkommensteuer anrechnen (§ 35 EStG). Bei einem Hebesatz bis etwa 400 % zahlst du effektiv null Gewerbesteuer. Erst bei höheren Hebesätzen bleibt eine Restbelastung.
Konkretes Beispiel bei 100.000 EUR Gewinn, Steuerklasse 1, Hebesatz 400 %:
- Einkommensteuer: ca. 26.000 EUR
- Soli: ca. 150 EUR
- Gewerbesteuer: ca. 2.650 EUR, davon wird fast alles über § 35 angerechnet
- Effektive Belastung: ca. 27 %
Du kannst das für deinen Gewinn durchrechnen: Gewerbesteuer-Rechner →
Was zahlt eine GmbH?
Bei der GmbH gibt es zwei Ebenen. Erst zahlt die GmbH selbst, dann zahlst du als Gesellschafter nochmal — aber nur, wenn du das Geld entnimmst.
Ebene 1: GmbH-Steuern (Thesaurierung)
- Körperschaftsteuer: 15 % auf den Gewinn
- Soli auf KSt: 5,5 % (hier gibt es keine Freigrenze — anders als bei der Einkommensteuer)
- Gewerbesteuer: 3,5 % × Hebesatz, kein Freibetrag für Kapitalgesellschaften
Bei 400 % Hebesatz sind das zusammen rund 30 %. Das Geld, das in der GmbH bleibt, wird also nur mit 30 % belastet. Da liegt der Vorteil — du kannst den Rest reinvestieren.
Ebene 2: Ausschüttung an dich
Wenn du Gewinn entnimmst, fallen 25 % Kapitalertragsteuer plus 5,5 % Soli an — insgesamt 26,375 %. Die werden auf den Betrag berechnet, der nach den GmbH-Steuern übrig ist.
Konkretes Beispiel bei 100.000 EUR Gewinn, Hebesatz 400 %, Vollausschüttung:
- GmbH-Steuern (KSt + Soli + GewSt): ca. 29.825 EUR
- Gewinn nach Steuern: ca. 70.175 EUR
- KapESt + Soli auf Ausschüttung: ca. 18.509 EUR
- Gesamt: ca. 48.334 EUR → Effektive Belastung: ca. 48 %
Das ist deutlich mehr als die 27 % beim Einzelunternehmer.
Probier es mit deinem Gewinn aus: GmbH-Steuerrechner →
Wann lohnt sich die GmbH dann?
Der Break-even liegt nicht beim Steuersatz, sondern bei der Frage: Brauchst du das Geld sofort?
Wenn du einen großen Teil des Gewinns in der GmbH lassen kannst — für Investitionen, Rücklagen, Immobilien — dann zahlst du nur die rund 30 %. Die KapESt fällt erst an, wenn du ausschüttest. Das ist ein Liquiditätsvorteil.
Außerdem kannst du dir als Geschäftsführer ein Gehalt zahlen. Das mindert den GmbH-Gewinn (Betriebsausgabe) und wird bei dir als Einkommen versteuert. Bei geschickter Aufteilung ist das oft günstiger als eine Ausschüttung.
Faustregeln:
- Unter 50.000 EUR Gewinn: Einzelunternehmen fast immer günstiger
- 50.000–80.000 EUR: GmbH nur bei Thesaurierung interessant, Kosten beachten
- Ab 80.000–100.000 EUR mit Thesaurierung: GmbH wird steuerlich attraktiv
- Bei Vollausschüttung: GmbH fast nie günstiger — die 48 % schlagen die 42 % ESt-Spitzensatz
Was viele vergessen: die laufenden Kosten
Eine GmbH kostet Geld, bevor du auch nur einen Euro verdienst:
- Steuerberater für Jahresabschluss: 2.000–5.000 EUR/Jahr
- IHK-Pflichtbeitrag: 150–300 EUR/Jahr
- Handelsregister-Eintrag: einmalig ca. 150 EUR + Notar
- Stammkapital: 25.000 EUR (oder 1 EUR bei UG, aber mit Thesaurierungspflicht)
- Geschäftsführervertrag aufsetzen, Gesellschafterversammlung protokollieren
Beim Einzelunternehmen: Gewerbeanmeldung für 20–60 EUR, fertig. Keine Bilanzierungspflicht bis 800.000 EUR Umsatz.
Zusammenfassung
| Einzelunternehmen | GmbH (Thesaurierung) | GmbH (Vollausschüttung) | |
|---|---|---|---|
| Steuersatz auf 100k Gewinn | ca. 27 % | ca. 30 % | ca. 48 % |
| Gewerbesteuer-Freibetrag | 24.500 EUR | 0 EUR | 0 EUR |
| § 35-Anrechnung | Ja | Nein | Nein |
| Buchführung | EÜR | Doppelt + Jahresabschluss | Doppelt + Jahresabschluss |
| Haftung | Unbeschränkt | Auf Stammkapital begrenzt | Auf Stammkapital begrenzt |
Fazit: Die GmbH ist kein automatischer Steuerspar-Trick. Sie lohnt sich ab ca. 80.000–100.000 EUR Gewinn, wenn du Gewinne thesaurieren kannst und die laufenden Kosten im Blick behältst. Der Haftungsvorteil ist ein separates Argument — steuerlich allein reicht die Rechnung oft nicht.
Rechne es selbst durch
- GmbH-Steuerrechner — KSt + GewSt + KapESt
- Gewerbesteuer-Rechner — Hebesatz, Freibetrag, § 35
- Brutto-Netto-Rechner — Was bleibt als Angestellter/GF?
- Ratgeber: GmbH-Steuerbelastung optimieren