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FIFO-Methode bei Krypto-Steuern

Berechnung, Beispiele und warum LIFO nicht erlaubt ist.

1. Was ist FIFO?

FIFO steht für First In, First Out. Das Prinzip bestimmt, in welcher Reihenfolge deine Krypto-Käufe einem Verkauf zugeordnet werden: Die zuerst gekauften Coins gelten steuerlich als zuerst verkauft.

Das ist relevant, weil du eine Kryptowährung oft zu verschiedenen Zeitpunkten und Kursen kaufst. Beim Verkauf muss das Finanzamt wissen, welcher Kaufpreis dem Verkauf zugeordnet wird — denn davon hängt sowohl der Gewinn als auch die Haltefrist ab.

FIFO ist in Deutschland die steuerlich anerkannte Standardmethode für private Veräußerungsgeschäfte gemäß §23 EStG. Das BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022 bestätigt dies ausdrücklich.

2. FIFO-Beispiel mit konkreten Zahlen

Angenommen, du hast Bitcoin in drei Tranchen gekauft:

Deine Käufe

  • Kauf 1: 01.03.2025 — 0,5 BTC für 20.000 € (Kurs: 40.000 €/BTC)
  • Kauf 2: 01.06.2025 — 0,5 BTC für 25.000 € (Kurs: 50.000 €/BTC)
  • Kauf 3: 01.09.2025 — 0,5 BTC für 30.000 € (Kurs: 60.000 €/BTC)

Am 01.04.2026 verkaufst du 0,8 BTC für 56.000 € (Kurs: 70.000 €/BTC). Nach FIFO wird zuerst Kauf 1, dann Kauf 2 herangezogen:

FIFO-Zuordnung

  • 0,5 BTC aus Kauf 1 → Haltefrist erfüllt (13 Monate) → steuerfrei
  • 0,3 BTC aus Kauf 2 → Haltefrist nicht erfüllt (10 Monate) → steuerpflichtig

Steuerpflichtiger Gewinn: 0,3 × 70.000 € − 0,3 × 50.000 € = 6.000 €

Ohne FIFO hättest du vielleicht Kauf 3 zugeordnet — mit einem höheren Gewinn und komplett steuerpflichtig. FIFO sorgt dafür, dass die ältesten Coins mit der längsten Haltefrist zuerst veräußert werden.

3. FIFO vs. LIFO — Unterschiede

LIFO (Last In, First Out) würde die zuletzt gekauften Coins zuerst verkaufen. In manchen Situationen wäre das steuerlich günstiger — aber das ist in Deutschland nicht erlaubt.

Vergleich

  • FIFO: Älteste Coins zuerst → oft längere Haltefrist → häufiger steuerfrei
  • LIFO: Neueste Coins zuerst → kürzere Haltefrist → nicht anerkannt in DE

Das BMF hat sich eindeutig für FIFO entschieden. Ein Wechsel der Methode ist nicht möglich. Auch die sogenannte Durchschnittsmethode (gewichteter Durchschnittspreis) wird in Deutschland nicht akzeptiert.

4. FIFO und die 12-Monats-Haltefrist

FIFO und die Haltefrist hängen direkt zusammen: Da die ältesten Coins zuerst verkauft werden, haben diese oft bereits die 12-Monats-Haltefrist überschritten. Der Gewinn aus diesen Coins ist dann komplett steuerfrei.

Das macht FIFO in vielen Fällen zum Vorteil für langfristige Anleger: Wenn du regelmäßig nachkaufst, werden beim Verkauf automatisch die ältesten (und damit steuerfreien) Coins zuerst berücksichtigt.

Achtung: Bei einem Tausch (z.B. BTC → ETH) beginnt die Haltefrist für die erhaltenen Coins neu. Der Tausch selbst ist ein steuerpflichtiges Ereignis — auch wenn kein Euro fließt.

5. Tipps: FIFO optimal nutzen

1

Alte Coins zuerst verkaufen: Plane Verkäufe so, dass die Haltefrist erfüllt ist — FIFO macht das automatisch.

2

Dokumentation: Halte jeden Kauf mit Datum, Menge, Kurs und Gebühren fest. Ohne lückenlose Dokumentation kann das Finanzamt die FIFO-Zuordnung nicht nachvollziehen.

3

Separate Wallets: Manche Anleger nutzen separate Wallets für Langzeit-Positionen, um die FIFO-Zuordnung übersichtlicher zu gestalten.

4

Steuer-Tools nutzen: Bei vielen Transaktionen ist die manuelle FIFO-Zuordnung fehleranfällig. Tools wie CoinTracking oder Blockpit übernehmen das automatisch.

6. FIFO bei mehreren Börsen und Wallets

Du kannst FIFO entweder als Gesamtdepot (alle BTC-Bestände zusammen) oder pro Wallet/Börse getrennt anwenden. Beide Methoden sind zulässig.

Gesamtdepot: Alle Käufe einer Kryptowährung werden chronologisch zusammengefasst. Bei einem Verkauf auf Börse A wird der älteste Kauf herangezogen — auch wenn dieser auf Börse B stattfand.

Pro Wallet: Jede Börse/Wallet wird als eigenes Depot behandelt. Diese Methode kann vorteilhaft sein, wenn du auf einer Plattform ältere Coins hast und auf einer anderen neuere. Wichtig: Du musst die gewählte Methode konsistent anwenden.

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