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Altersvorsorgedepot vs. Riester

Der grosse Vergleich: Was ändert sich ab 2027?

1. Direkter Vergleich

AltersvorsorgedepotRiester (alt)
GrundzulageBis zu 540 €/Jahr (gestaffelt)175 €/Jahr (pauschal)
Kinderzulage100 % auf bis zu 300 €/Kind300 €/Kind
Max. Sonderausgaben3.000 €2.100 €
AnlageFreie ETF/Fonds-WahlAnbieter-Produkte
BeitragsgarantieOhne, 80 % oder 100 % wählbar100 % Pflicht
Kostendeckel1 % Effektivkosten (Standarddepot)Kein Deckel
Start01.01.2027Seit 2002

2. Rechenbeispiel: 100 €/Monat über 30 Jahre

Was passiert, wenn du 100 € pro Monat über 30 Jahre einzahlst? Der Unterschied zwischen Altersvorsorgedepot und Riester ist enorm — vor allem wegen der höheren Zulagen und niedrigeren Kosten.

Annahmen: 100 €/Monat Eigenbeitrag, 45.000 € Jahresbrutto, keine Kinder, 6 % Rendite p.a.

Eigenbeiträge (30 Jahre)36.000 €
+ Zulagen Altersvorsorgedepot+16.200 €
+ Zulagen Riester+5.250 €
Depot (Altersvorsorgedepot, 6 %)ca. 130.000 €
Depot (Riester, 3 % nach Kosten)ca. 72.000 €
Dein Vorteilca. +58.000 €

Der Unterschied entsteht durch drei Faktoren: bis zu dreifach höhere Grundzulage (bis 540 vs. 175 €, gestaffelt nach Eigenbeitrag), niedrigere Kosten (ETF-TER 0,2 % vs. Riester-Gebühren 1,5–2,5 %, Kostendeckel 1 %) und den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte.

3. Depot-Wachstum im Vergleich

So entwickeln sich 100 €/Monat Eigenbeitrag + Zulagen bei Altersvorsorgedepot (6 % p.a.) vs. Riester (3 % p.a. nach Kosten):

4. Der Kostenfaktor: ETF vs. Riester-Versicherung

Der größte strukturelle Vorteil des Altersvorsorgedepots sind die drastisch niedrigeren Kosten. Riester-Verträge finanzieren Vertriebsprovisionen, Garantiekosten und Verwaltungsgebühren — das frisst einen großen Teil der Rendite.

KostenartAltersvorsorgedepotRiester
Laufende Kosten (TER)0,2–0,5 %1,5–2,5 %
AbschlussprovisionKeineBis 5 % der Beitragssumme
GarantiekostenKeine0,3–0,8 %
Kosteneffekt über 30 Jahreca. −2.000 €ca. −25.000 €

5. Wer profitiert am meisten?

  • Familien mit Kindern: Grundzulage (bis 540 €) + Kinderzulage (bis 300 €/Kind) = bis zu 1.140 €/Jahr mit 2 Kindern.
  • Besserverdiener (ab 45.000 €): Höherer SA-Abzug (3.000 statt 2.100 €) bringt spürbar mehr Steuervorteil durch höheren Grenzsteuersatz.
  • ETF-Anleger: Freie Fondswahl ermöglicht kostengünstige Welt-ETFs (z. B. MSCI World, FTSE All-World) statt teurer Versicherungsprodukte.
  • Junge Sparer (unter 35): Ohne Beitragsgarantie kann langfristig deutlich mehr Rendite entstehen — der Zinseszinseffekt wirkt über 30+ Jahre besonders stark.
  • Geringverdiener: Durch die Zulagenförderung ist die Rendite auf den Eigenbeitrag besonders hoch — selbst kleine Beiträge lohnen sich.

6. Risiken und Nachteile

Das Altersvorsorgedepot ist nicht für jeden die perfekte Lösung. Der Wegfall der Beitragsgarantie bedeutet: Dein Depot kann schwanken.

  • Ohne Garantie-Variante: Wer die Variante ohne Beitragsgarantie wählt, muss mit Schwankungen rechnen. In schlechten Börsenjahren kann der Depotwert unter die eingezahlten Beiträge fallen. Alternativ gibt es Varianten mit 80 % oder 100 % Garantie — allerdings mit niedrigerer Renditeerwartung.
  • Eigenverantwortung: Du musst selbst entscheiden, in welche ETFs/Fonds du investierst. Riester-Anbieter nehmen dir diese Entscheidung ab.
  • Kurz vor Rente riskant: Wer nur noch 5–10 Jahre bis zur Rente hat, trägt ein höheres Schwankungsrisiko. Hier kann die Riester-Garantie ein Vorteil sein.
  • Anbieter noch unbekannt: Das Gesetz ist beschlossen, aber welche Banken und Broker Altersvorsorgedepots anbieten werden, steht noch nicht final fest (Stand: April 2026).

7. Bestehenden Riester-Vertrag umstellen

Das Gesetz sieht eine Überführungsmöglichkeit für bestehende Riester-Verträge vor. Das bedeutet:

  • Riester-Guthaben kann ins Altersvorsorgedepot übertragen werden
  • Bisherige Zulagen und Steuervorteile müssen nicht zurückgezahlt werden
  • Die Beitragsgarantie entfällt nach Übertragung
  • Die genauen Modalitäten regeln die Anbieter ab 2027

Tipp: Wenn dein Riester-Vertrag hohe laufende Kosten hat (Versicherungslösung mit über 1,5 % Gebühren), lohnt sich der Umstieg fast immer. Bei günstigen Riester-Fondssparplänen (z. B. DWS, Fairr) ist der Vorteil geringer, aber die höheren Zulagen sprechen trotzdem dafür.

8. Frühstart-Rente für Kinder

Eine weitere Neuerung: Der Staat plant 10 € pro Monat in ein Altersvorsorgedepot für jedes Kind ab 6 Jahren einzuzahlen. Diese “Frühstart-Rente” befindet sich noch in der ersten Lesung (Stand: Februar 2026) und soll ebenfalls 2027 starten.

Bei 6 % Rendite und 12 Jahren Einzahlung (Alter 6–18) würden daraus bis zum Renteneintritt mit 67 rund 25.000–30.000 € entstehen — ohne einen Cent Eigenleistung.

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Häufige Fragen

Was kostet das Altersvorsorgedepot im Vergleich zu Riester?

Ein ETF-basiertes Altersvorsorgedepot hat typische Kosten von 0,2–0,5 % pro Jahr (TER). Klassische Riester-Verträge kosten oft 1,5–2,5 % pro Jahr durch Abschluss- und Verwaltungsgebühren. Über 30 Jahre kann dieser Unterschied mehrere Zehntausend Euro ausmachen.

Kann ich meinen Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot überführen?

Ja, das Gesetz sieht eine Überführung vor. Bestehende Riester-Verträge können ab 2027 übertragen werden, ohne dass Zulagen oder Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.

Welche Risiken hat das Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie?

Ohne Beitragsgarantie kann der Depotwert schwanken. In schlechten Börsenjahren kann das Depot vorübergehend unter den eingezahlten Betrag fallen. Historisch haben breit gestreute ETFs über 15+ Jahre jedoch immer positive Renditen erzielt.

Wann startet das Altersvorsorgedepot?

Das Gesetz wurde am 27.03.2026 vom Bundestag beschlossen. Das Altersvorsorgedepot startet am 01.01.2027. Die genauen Konditionen der Anbieter werden im Laufe des Jahres 2026 veröffentlicht.