Rentenlücke 2026
Berechnen und schließen
1. Was ist die Rentenlücke?
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Ihrem gewünschten Einkommen im Ruhestand und der tatsächlich zu erwartenden gesetzlichen Rente. Als Faustregel gilt: Sie benötigen mindestens 80 % Ihres letzten Nettoeinkommens, um Ihren Lebensstandard zu halten.
Die gesetzliche Rente deckt diesen Bedarf in den meisten Fällen nicht ab. Das sogenannte Rentenniveau liegt aktuell bei etwa 48 % des Durchschnittslohns — Tendenz ungewiss. Wer heute gut verdient, spürt die Lücke besonders deutlich.
Oft unterschätzt wird der Faktor Inflation. Bei einer Inflationsrate von nur 2 % pro Jahr verliert Geld in 30 Jahren rund die Hälfte seiner Kaufkraft. Eine Rente von 1.500 € hat dann nur noch die Kaufkraft von ca. 830 €. Die Rentenlücke muss daher immer kaufkraftbereinigt berechnet werden.
Formel zur Berechnung
Rentenlücke = Wunschrente (80 % des letzten Nettos) − erwartete gesetzliche Rente − betriebliche/private Vorsorge. Das Ergebnis zeigt, wie viel Sie zusätzlich ansparen müssen.
2. Gesetzliche Rente realistisch einschätzen
Die gesetzliche Rente berechnet sich nach einer einfachen Formel: Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert. Der aktuelle Rentenwert liegt bei 42,52 € pro Entgeltpunkt. Wer genau das Durchschnittseinkommen verdient, sammelt pro Jahr exakt 1,0 Entgeltpunkte (auch Rentenpunkte genannt).
Ein Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre lang einzahlt, kommt auf 45 Rentenpunkte. Das ergibt eine monatliche Bruttorente von 45 × 42,52 € = ca. 1.913 €. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bleiben rund 1.700 € netto.
In der Realität erreichen nur wenige die vollen 45 Beitragsjahre. Studium, Elternzeit, Arbeitslosigkeit oder Teilzeit reduzieren die Rentenpunkte. Prüfen Sie daher regelmäßig Ihre Renteninformation, die Ihnen die Deutsche Rentenversicherung jährlich zusendet — dort steht Ihre tatsächliche Rentenprognose.
Achtung: Brutto ist nicht Netto
Von der Bruttorente gehen noch Krankenversicherung (ca. 8 %), Pflegeversicherung (ca. 3,4 %) und ggf. Steuern ab. Die Renteninformation zeigt nur den Bruttowert — planen Sie mit dem Nettobetrag.
3. Das 3-Säulen-Modell
Die Altersvorsorge in Deutschland basiert auf drei Säulen, die sich gegenseitig ergänzen sollen. Nur wer alle drei nutzt, kann die Rentenlücke realistisch schließen.
Die drei Säulen im Überblick
- •1. Säule — Gesetzliche Rente: Pflichtversicherung für Arbeitnehmer. Bildet die Basis, reicht aber selten allein aus. Umlagefinanziert und abhängig von der Demografie.
- •2. Säule — Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Vom Arbeitgeber (mit-)finanziert. Formen: Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds. Vorteil: Steuer- und SV-Ersparnis bei der Einzahlung. Seit 2019 Arbeitgeberzuschuss-Pflicht bei Entgeltumwandlung.
- •3. Säule — Private Vorsorge: Eigenverantwortlich. Optionen: ETF-Sparpläne (kostengünstig, flexibel), Riester-Rente (staatlich gefördert, lohnt vor allem für Familien mit Kindern) und Rürup-Rente (steuerlich attraktiv für Selbstständige und Gutverdiener).
Die optimale Mischung hängt von Ihrem Beschäftigungsverhältnis, Ihrem Steuersatz und Ihrer Risikobereitschaft ab. Arbeitnehmer sollten als Erstes prüfen, ob der Arbeitgeber eine attraktive bAV mit Zuschuss anbietet — das ist quasi geschenktes Geld.
Für die dritte Säule setzen immer mehr Deutsche auf breit gestreute ETFs statt auf klassische Lebensversicherungen. Der Grund: deutlich niedrigere Kosten und historisch bessere Renditen über lange Zeiträume.
4. ETF-Sparplan als Rentenergänzung
Ein ETF-Sparplan ist für die meisten Anleger das effizienteste Werkzeug, um die Rentenlücke zu schließen. Die Kombination aus niedrigen Kosten, breiter Streuung und dem Zinseszinseffekt macht ETFs über lange Zeiträume nahezu unschlagbar.
Rechenbeispiel: 500 €/Monat über 30 Jahre
Eingezahlt: 500 € × 12 × 30 = 180.000 €
Bei 7 % durchschnittlicher Rendite p.a.: Endkapital ca. ~580.000 €
Nach der 4 %-Entnahmeregel können Sie daraus monatlich ca. 1.933 € entnehmen, ohne das Kapital innerhalb von 30 Jahren aufzubrauchen.
Als Basis empfiehlt sich ein MSCI World ETF, der über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet. Ergänzend kann ein MSCI Emerging Markets ETF beigemischt werden. Die jährlichen Kosten (TER) liegen bei nur 0,10–0,20 % — ein Bruchteil der Kosten klassischer Fonds oder Versicherungen.
Wichtig: Die 7 % Rendite sind ein langfristiger Durchschnitt. In einzelnen Jahren kann es zu erheblichen Schwankungen kommen. Entscheidend ist, den Sparplan auch in Crashphasen durchzuhalten — denn gerade dann kaufen Sie günstig ein. Je früher Sie starten, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.
Die 4 %-Regel (Trinity-Studie) besagt, dass Sie jährlich 4 % Ihres Kapitals entnehmen können, ohne es über einen Zeitraum von 30 Jahren vollständig aufzubrauchen. Damit wird Ihr ETF-Depot zur privaten Zusatzrente.
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