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973 Gemeinden haben 2024 die Gewerbesteuer erhöht, vor allem die kleinen

Von 4 Min. Lesezeit
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Die Gewerbesteuer zieht an, aber nicht dort, wo man es erwartet

Zwischen 2023 und 2024 haben 973 Gemeinden ihren Gewerbesteuer-Hebesatz angehoben, nur 26 haben ihn gesenkt, 9.753 haben ihn gelassen. Das steht in der neuen Zeitreihe des Hebesatz-Rankings, die jetzt jeden Jahrgang von 2016 bis 2024 abdeckt. Interessant ist weniger die Zahl selbst als die Frage, wer da erhöht. Und die Antwort steht quer zu dem, was der offizielle Durchschnitt nahelegt.

Zwei Durchschnitte, die auseinanderlaufen

Das Statistische Bundesamt weist für 2024 einen gewogenen Hebesatz von 409 % aus, zwei Punkte mehr als 2023. Über acht Jahre ist dieser Wert von 400 auf 409 gestiegen, also um neun Punkte. Der Median über alle Gemeinden ist im selben Zeitraum von 360 auf 380 % geklettert. Das sind zwanzig Punkte, mehr als doppelt so viel.

Beide Zahlen sind richtig. Sie messen nur Verschiedenes. Der Bundesdurchschnitt gewichtet nach Grundbeträgen, also danach, wie viel Gewerbesteuer-Substanz in einer Gemeinde sitzt. Eine Großstadt wiegt darin tausendfach schwerer als ein Dorf. Der Median zählt jede Gemeinde einmal. Wenn die beiden auseinanderlaufen, heißt das: In der Fläche passiert etwas, das der gewichtete Wert kaum aufnimmt.

Die Kleinen holen auf, die Großen bleiben stehen

Sortiert man die Gemeinden nach Einwohnerzahl, wird das Muster deutlich. Der feste Vergleichskorb bildet die Klassen über den Bevölkerungsstand 2024, damit keine Gemeinde über die Jahre die Klasse wechselt:

GemeindegrößeMedian 2016Median 2024Veränderung
unter 5.000 Einwohner360 %380 %+20 Pp
5.000 bis 20.000360 %380 %+20 Pp
20.000 bis 100.000395 %405 %+10 Pp
ab 100.000 Einwohner450 %455 %+5 Pp

Die kleinen Gemeinden haben in acht Jahren zwanzig Punkte draufgelegt, die Großstädte fünf. Deshalb steigt der ungewichtete Median so viel stärker als der gewogene Bundeswert: Der gewogene Wert hängt an den großen Städten, und die haben ihre Hebesätze seit 2016 kaum angefasst.

Warum die kleinen Gemeinden nachziehen

Ein einzelner Grund lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten, aber die Richtung ist eindeutig. Viele kleine Kommunen lagen 2016 noch bei 350 oder 360 % und damit unter dem Landesschnitt. Steigende Ausgaben, sinkende Schlüsselzuweisungen und der Druck, den eigenen Haushalt auszugleichen, treffen kleine Gemeinden härter, weil ihnen die Einnahmebasis der Großstädte fehlt. Der Sprung sitzt sichtbar beim Übergang von 2022 auf 2023, dem Jahr, in dem über 2.000 Gemeinden auf einmal erhöht haben.

Für Betriebe heißt das: Der Standortvorteil einer günstigen Landgemeinde schrumpft. Wer 2016 mit einem Hebesatz von 360 % kalkuliert hat, zahlt am selben Ort heute oft 380 %. Eine GmbH mit 100.000 € Gewerbeertrag zahlt dadurch 700 € mehr im Jahr: der Messbetrag von 3.500 € (3,5 % des Ertrags) mal zwanzig zusätzliche Hebesatz-Punkte.

Was das für deine Gemeinde bedeutet

Ob deine Gemeinde zu den 973 gehört, die zuletzt erhöht haben, siehst du im Hebesatz-Ranking: Die neue Sektion zeigt die Entwicklung von Bund, Bundesländern und Größenklassen über alle neun Jahrgänge. Mecklenburg-Vorpommern ist mit einem Plus von 41 Punkten der stärkste Aufholer unter den Ländern, Hamburg, Bremen und Berlin haben ihren Hebesatz seit 2016 nicht verändert.

Wie viel Gewerbesteuer bei einem bestimmten Hebesatz konkret anfällt, mit Freibetrag und Anrechnung nach § 35 EStG, rechnet dir der Gewerbesteuer-Rechner aus.

Quelle

Die Zahlen stammen aus dem Realsteuervergleich des Statistischen Bundesamtes (Tabelle 71231-01-03-5, Berichtsjahre 2016 bis 2024, Datenlizenz dl-de/by-2-0). Die Zeitreihe umfasst alle Gemeinden mit gültigem Gewerbesteuer-Hebesatz 2024; Gemeinden, die durch eine Gebietsreform erst später entstanden sind, zählen ab ihrem ersten ausgewiesenen Wert mit.

Zur Zeitreihe im Hebesatz-Ranking