Lohnpfändung vs. P-Konto: Was ist der Unterschied?
Viele verwechseln beide. Das hier ist die kurze Antwort: Lohnpfändung greift beim Arbeitgeber, P-Konto-Schutz greift bei der Bank. Beide haben unterschiedliche Freibeträge, unterschiedliche Rechtsgrundlagen und unterschiedliche Verfahren.
Lohnpfändung — § 850c ZPO
Der Gerichtsvollzieher schickt einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss an deinen Arbeitgeber. Dein Arbeitgeber muss vom monatlichen Netto den pfändbaren Anteil direkt an den Gläubiger überweisen. Den unpfändbaren Sockelbetrag bekommst du auf dein Konto.
- Wer berechnet? Der Arbeitgeber, anhand der Pfändungstabelle
- Wovon hängt der Freibetrag ab? Vom Nettoeinkommen und der Anzahl unterhaltsberechtigter Personen
- Grundfreibetrag ab 01.07.2026: 1.587,40 €/Monat
- Erhöhung 1. Unterhaltsperson: +597,42 €
- Maximal-Schutz (Vollpfändungsgrenze): 4.866,30 €
→ Pfändbaren Betrag jetzt berechnen
Kontopfändung mit P-Konto — § 899 ZPO
Der Gerichtsvollzieher pfändet dein Girokonto direkt bei der Bank. Ohne P-Konto-Schutz ist dein Konto komplett gesperrt — du kommst nicht mehr an dein Geld. Mit P-Konto (Pfändungsschutzkonto) bleibt ein monatlicher Sockelbetrag automatisch verfügbar, der Rest wird gepfändet.
- Wer berechnet? Die Bank, auf Basis des P-Konto-Sockels
- Sockelbetrag 2026: 1.500,00 €/Monat (pauschal, unabhängig vom Einkommen)
- Erhöhung möglich durch Bescheinigung (z.B. Schuldnerberatung): Kindergeld, Sozialleistungen, Unterhaltszahlungen
- Umwandlung jederzeit kostenlos: Jedes Girokonto kann auf Antrag in ein P-Konto umgewandelt werden, die Bank darf das nicht verweigern
Beide gleichzeitig — was bleibt mir wirklich?
Bei einer kombinierten Lohn- und Kontopfändung greift der höhere Schutz. Konkret: Dein Arbeitgeber zahlt nur den unpfändbaren Lohnanteil aus, und auf dem P-Konto bleibt zusätzlich der Sockel von 1.500 € geschützt. Du bist also nicht doppelt unterm Existenzminimum.
Konkret-Beispiel: Dein Lohn beträgt 2.500 €, du hast 0 Unterhaltspflichten. Dein Arbeitgeber überweist dir nach Lohnpfändung (ab 01.07.2026) 1.861,18 €. Davon ist auf dem P-Konto pauschal 1.500 € geschützt, der Rest (361,18 €) kann theoretisch nochmal gepfändet werden — in der Praxis ist die Bank aber an den Pfändungsbeschluss gebunden und stoppt bei dem Höchstbetrag, den dein Gläubiger geltend macht.
Häufige Verwechslung — was bei welchem Pfändungstyp gilt
| Merkmal | Lohnpfändung § 850c | P-Konto § 899 |
|---|---|---|
| Sockelbetrag hängt vom Einkommen ab | Ja | Nein (pauschal) |
| Unterhaltspflichten zählen automatisch | Ja | Nein (Bescheinigung nötig) |
| Sonderzahlungen sind teilweise geschützt | Ja (§ 850a) | Nein (Erhöhung nötig) |
| Selbstständige betroffen | § 850i ZPO | Ja |
| Kontostand-Carryover | nicht zutreffend | Ja, max. 3 Monate |
Was du jetzt tun solltest
- Schuldnerberatung kontaktieren — ist kostenlos, dauert oft 4-8 Wochen Wartezeit. Anerkannte Stellen findest du über BAG-SB
- P-Konto einrichten, falls du noch keins hast — das geht ohne Begründung, kostenlos, jederzeit
- P-Konto-Bescheinigung besorgen, wenn du Unterhaltspflichten, Kindergeld oder Sozialleistungen empfängst (erhöht den Sockel)
- Pfändbaren Betrag berechnen: Pfändungsrechner für Lohnpfändung
Quelle: §§ 850a, 850c, 850e, 850f, 850i, 899 ZPO. Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 (BGBl. I 2026 Nr. 80). Keine Rechtsberatung — konsultiere bei konkreten Fällen eine Schuldnerberatung oder einen Rechtsanwalt.