Erwerbsminderungsrente berechnen
Volle und teilweise EM-Rente nach § 43 SGB VI — mit Zurechnungszeit und Abschlag.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ Volle EM-Rente gibt es bei einem Leistungsvermögen unter 3 Stunden/Tag, die halbe (teilweise) bei 3 bis unter 6 Stunden (§ 43 SGB VI).
- ✓ Die Zurechnungszeit stellt dich so, als hättest du bis 66 Jahre + 3 Monate weitergearbeitet. Deshalb ist die Rente auch für Jüngere existenzsichernd.
- ✓ Richtwert bei lückenloser Erwerbsbiografie: 3.000 € brutto → rund 1.084 € volle EM-Rente (inkl. maximalem Abschlag von 10,8 %).
- ✓ Hinzuverdienst 2026: bis 20.763,75 €/Jahr anrechnungsfrei bei voller EM (§ 96a SGB VI).
- ✓ Rechenbasis: aktueller Rentenwert 42,52 € (seit 01.07.2026, RWBestV 2026).
Berechnungsgrundlage: §§ 43, 67, 77, 253a SGB VI, RWBestV 2026 | Stand: Juni 2026
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Wie die EM-Rente berechnet wird
Die Erwerbsminderungsrente folgt der Rentenformel: Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor × Rentenwert. Genau so rechnet die Deutsche Rentenversicherung, und genau so rechnet dieser Rechner — in vier Schritten:
- 1Entgeltpunkte sammeln: Dein Jahresbrutto geteilt durch das Durchschnittsentgelt aller Versicherten (2026: 51.944 €, SVRechGrV 2026) ergibt deine Punkte pro Jahr. Wer genau durchschnittlich verdient, bekommt 1,0 Punkte.
- 2Zurechnungszeit addieren (§ 253a SGB VI): Du wirst so gestellt, als hättest du mit deinem Durchschnitt bis 66 Jahre + 3 Monate weitergearbeitet (Wert für Rentenbeginn 2026; steigt bis 2031 auf 67).
- 3Abschlag abziehen (§ 77 SGB VI): 0,3 % je Monat Rentenbeginn vor dem 65. Lebensjahr, gedeckelt bei 10,8 %. Wer bei Rentenbeginn 62 oder jünger ist, hat immer den Maximal-Abschlag.
- 4Mit Rentenwert multiplizieren: Punkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor (volle EM 1,0 / teilweise 0,5) × 42,52 € (Rentenwert seit 01.07.2026) = Brutto-Monatsrente.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- § 43 SGB VI — volle/teilweise Erwerbsminderung
- § 67 SGB VI — Rentenartfaktor
- § 77 SGB VI — Zugangsfaktor/Abschlag
- § 253a SGB VI — Zurechnungszeit
- § 96a SGB VI — Hinzuverdienstgrenzen
- § 102 SGB VI — Befristung
- SVRechGrV 2026 — Bezugsgröße 3.955 €, Durchschnittsentgelt 51.944 €
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Renten- oder Rechtsberatung.
Geprüft und aktualisiert von Thomas Hakenes (Softwareentwickler, kein Rentenberater), Stand: 14. Juli 2026. Alle Beträge stammen aus der getesteten Rechen-Engine dieser Seite.
Erwerbsminderungsrente 2026 erklärt
Voraussetzungen, Zurechnungszeit, Abschlag und Hinzuverdienstgrenzen — mit Rechenbeispielen für volle und teilweise EM.
→ Zum RatgeberDrei Rechenbeispiele für 2026
Alle Werte kommen aus der Rechen-Engine dieser Seite (Rentenbeginn 2026, Rentenwert 42,52 €, maximaler Abschlag 10,8 % jeweils eingerechnet):
| Fall | davon echte Beiträge | davon Zurechnungszeit | EM-Rente/Monat |
|---|---|---|---|
| Jahrgang 1980, 3.500 €, 20 Beitragsjahre, volle EM | 613,34 € | 621,01 € | 1.234,35 € |
| Jahrgang 1996, 2.800 €, 8 Beitragsjahre, volle EM | 196,27 € | 889,34 € | 1.085,61 € |
| Jahrgang 1964, 4.200 €, 38 Beitragsjahre, volle EM | 1.398,42 € | 156,40 € | 1.554,82 € |
Das zweite Beispiel zeigt, was die Zurechnungszeit leistet: Der 30-Jährige hat erst 8 Beitragsjahre, bekommt aber 889,34 € seiner Rente aus den 36,25 fiktiven Jahren bis zum Endalter. Bei teilweiser EM halbiert sich jeder dieser Werte (Rentenartfaktor 0,5): Der 1980er-Fall käme auf 617,17 €.
EM-Rente 2026 nach Bruttogehalt: die Tabelle
Voraussichtliche Erwerbsminderungsrente bei lückenloser Erwerbsbiografie ab 25 und Rentenbeginn 2026. Verblüffend, aber Absicht des Gesetzes: Unter dieser Annahme spielt dein Alter praktisch keine Rolle: die Zurechnungszeit bis 66 Jahre + 3 Monate gleicht fehlende Jahre exakt aus, und der Abschlag ist bis Alter 62 immer auf 10,80 % gedeckelt. Was die Rente wirklich drückt, sind Lücken im Versicherungsverlauf.
| Brutto/Monat | volle EM-Rente | teilweise EM-Rente | volle EM, geschätzt netto |
|---|---|---|---|
| 2.000 € | 722,87 € | 361,43 € | 633,60 € |
| 2.500 € | 903,58 € | 451,79 € | 791,99 € |
| 3.000 € | 1.084,30 € | 542,15 € | 950,39 € |
| 3.500 € | 1.265,02 € | 632,51 € | 1.108,79 € |
| 4.000 € | 1.445,73 € | 722,87 € | 1.267,18 € |
| 4.500 € | 1.626,45 € | 813,22 € | 1.425,58 € |
| 5.000 € | 1.807,17 € | 903,58 € | 1.583,98 € |
| 5.500 € | 1.987,88 € | 993,94 € | 1.742,38 € |
| 6.000 € | 2.168,60 € | 1.084,30 € | 1.900,78 € |
| 6.500 € | 2.349,32 € | 1.174,66 € | 2.059,18 € |
Engine-generiert mit Rentenwert 42,52 € (seit 01.07.2026) inkl. maximalem Abschlag von 10,80 %. Netto = pauschale Schätzung nach KV/PV-Beiträgen, vor Steuern. Bei Lücken im Verlauf (Arbeitslosigkeit, Ausland, Selbstständigkeit ohne Beiträge) fällt die Rente niedriger aus; rechne dann oben mit deinen echten Beitragsjahren.
Hinzuverdienst: Was darfst du nebenbei verdienen?
Seit 2023 sind die Grenzen deutlich großzügiger. Bei voller EM-Rente darfst du 2026 bis zu 20.763,75 € im Jahr hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Das sind drei Achtel der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße (3.955 €, SVRechGrV 2026) nach § 96a SGB VI. Bei teilweiser EM-Rente liegt die Mindestgrenze bei 41.527,50 €; individuell kann sie höher ausfallen, weil sie aus deinem früheren Verdienst berechnet wird.
Wichtig: Verdienst oberhalb der Grenze führt nicht zum Wegfall der Rente, sondern wird zu 40 % auf sie angerechnet. Und: Bei voller EM darfst du täglich trotzdem nur unter 3 Stunden arbeiten, sonst stellt die DRV den Rentenanspruch selbst infrage.
Wann hilft dir der EM-Rechner?
Vor dem Antrag: Reicht die Rente zum Leben?
Der Antrag auf EM-Rente dauert oft Monate und entscheidet über deine Existenz. Rechne vorab, was realistisch herauskommt, und ob du zusätzlich Bürgergeld als Aufstockung oder Grundsicherung brauchst. Liegt deine geschätzte Rente unter dem Existenzminimum, hilft die Grundsicherung bei Erwerbsminderung (Sozialamt).
Renteninformation checken statt raten
In deiner jährlichen Renteninformation steht die EM-Renten-Schätzung der DRV auf Basis deiner echten Entgeltpunkte. Der Rechner hier schätzt sie aus deinem aktuellen Gehalt. Weichen beide stark voneinander ab, hattest du vermutlich früher ein deutlich anderes Einkommen. Für die Detailprüfung der Punkte lohnt der Rentenrechner mit Entgeltpunkten.
Bescheid prüfen
Dein EM-Renten-Bescheid nennt Entgeltpunkte, Zugangsfaktor und Rentenartfaktor. Mit denselben Werten kannst du hier nachrechnen, ob die Formel aufgeht, und ob Zurechnungszeit und Abschlag plausibel angesetzt sind. Bei Zweifeln: Widerspruchsfrist beachten (1 Monat) und Rentenberatung oder Sozialverband (VdK, SoVD) einschalten.
EM-Rente vs. private BU-Rente
Die gesetzliche EM-Rente ersetzt nur einen Teil deines Einkommens; die Tabelle oben zeigt ehrlich, wie groß die Lücke zu deinem Netto ist. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt zusätzlich und schon dann, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst; die EM-Rente fragt nur, ob du irgendeine Tätigkeit schaffst.
Antrag stellen: der Ablauf
Die EM-Rente gibt es nur auf Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung (Formular R0100, online über die DRV-Dienste oder mit Hilfe einer Auskunfts- und Beratungsstelle). Rechne mit mehreren Monaten Bearbeitungszeit. Das Verfahren läuft in vier Schritten: Erst prüft die DRV die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen (Wartezeit, Pflichtbeiträge), dann die medizinischen, meist mit Gutachten. Vorher gilt der Grundsatz „Reha vor Rente“: Häufig musst du zunächst eine medizinische Rehabilitation durchlaufen; erst wenn die dein Leistungsvermögen nicht wiederherstellt, wird die Rente bewilligt.
Bis zur Entscheidung trägt dich in der Regel Krankengeld (bis zu 78 Wochen) und danach gegebenenfalls Arbeitslosengeld bei „Nahtlosigkeit“ (§ 145 SGB III); die Höhe kannst du mit dem Arbeitslosengeld-Rechner abschätzen. Wird der Antrag abgelehnt, hast du einen Monat Zeit für den Widerspruch; Sozialverbände wie VdK oder SoVD begleiten das Verfahren für einen kleinen Mitgliedsbeitrag.
Was der Rechner nicht abbildet
Der Rechner schätzt deine Entgeltpunkte aus dem aktuellen Gehalt: wer früher deutlich mehr oder weniger verdient hat, sollte die echten Punkte aus der Renteninformation nehmen. Nicht abgebildet: die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen im Detail (3 Pflichtbeitragsjahre in den letzten 5 Jahren, § 43 SGB VI), individuelle Hinzuverdienst-Anrechnung, private BU-Renten sowie die exakten Kranken-/Pflegebeiträge und Steuern auf die Rente (das Netto zieht pauschal rund 12 % für KV und PV ab — halber KV-Satz plus Zusatzbeitrag nach § 249a SGB V, PV voll nach § 59 SGB XI).
Häufige Fragen
Wie wird die Erwerbsminderungsrente berechnet?
Die EM-Rente folgt der Rentenformel: Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor × aktueller Rentenwert. Entscheidend ist die Zurechnungszeit: Du wirst so gestellt, als hättest du bis zum Zurechnungszeit-Endalter (2026: 66 Jahre 3 Monate) mit deinem bisherigen Durchschnitt weitergearbeitet.
Was ist der Unterschied zwischen voller und teilweiser EM-Rente?
Volle Erwerbsminderung: weniger als 3 Stunden täglich arbeitsfähig (Rentenartfaktor 1,0, volle Rente). Teilweise: 3 bis unter 6 Stunden (Rentenartfaktor 0,5, halbe Rente) — § 43, § 67 SGB VI.
Wie hoch ist der Abschlag bei der EM-Rente?
Bei Rentenbeginn vor dem 65. Lebensjahr sinkt der Zugangsfaktor um 0,3 % je Monat, höchstens um 10,8 % (36 Monate). Ab dem 62. Lebensjahr wirkt sich ein früherer Beginn nicht weiter aus (§ 77 SGB VI).
Wie viel darf ich zur Erwerbsminderungsrente hinzuverdienen?
Bei voller EM-Rente liegt die Hinzuverdienstgrenze 2026 bei 20.763,75 Euro pro Jahr (drei Achtel der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße von 3.955 Euro, § 96a SGB VI). Bei teilweiser EM-Rente sind es mindestens 41.527,50 Euro; die individuelle Grenze kann höher liegen. Verdienst über der Grenze wird zu 40 % auf die Rente angerechnet.
Welche Voraussetzungen gelten für die EM-Rente?
Drei Bedingungen (§ 43 SGB VI): ein Leistungsvermögen unter 6 Stunden täglich (medizinisch, per Gutachten), die allgemeine Wartezeit von 5 Versicherungsjahren und mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung.
Wird die EM-Rente befristet gezahlt?
In der Regel ja: auf längstens 3 Jahre, mit Verlängerung auf Antrag (§ 102 SGB VI). Unbefristet wird sie geleistet, wenn eine Besserung des Gesundheitszustands unwahrscheinlich ist. Vor Ablauf der Befristung rechtzeitig den Weiterzahlungsantrag stellen.
Was passiert mit der EM-Rente beim Erreichen der Regelaltersgrenze?
Die Erwerbsminderungsrente endet mit der Regelaltersgrenze und wird in die Regelaltersrente umgewandelt, mindestens in bisheriger Höhe. Ein neuer Abschlag entsteht dabei nicht.
Ist die Erwerbsminderungsrente steuer- und beitragspflichtig?
Ja. Von der Brutto-Rente gehen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner ab (zusammen grob 12–13 %), und die Rente unterliegt der nachgelagerten Besteuerung; der steuerpflichtige Anteil hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Der Rechner schätzt das Netto pauschal mit rund 15 % Abzug.